Liebes KIWi Team,
hier ein weiteres Gedicht aus dem Zyklus der Windecker Küchengedichte. Nach dem "Augenlächeln" und dem "positiven Denken" steht jetzt das "Umdenken" als Vorschlag auf dem Programm.
Mögen wir alle in der Lage sein, diesem beginnenden Herbst 2020 - gerade trotz Corona - mit Zuversicht und Mitmenschlichkeit zu begegnen.
Liebe Grüße,
Heiner van Sandt
Umdenken 2020
Eichhörnchen und große schwarze Raben
ernten emsig im Walnussbaum.
Der nahe Forst hat
kaum noch was zu bieten.
Den hungrigen Tieren gebe ich gerne was ab.
Selbst den Wespen und Hornissen.
Sie haben die Birnen- und Apfelernte
im Frühherbst spürbar minimiert.
Im Garten freu ich mich
über jeden Schmetterling.
Sie kommen
nicht mehr zu Hunderten.
Nicht mal im Dutzend.
Zu zweit, zu dritt,
wie Späher, um zu sehen,
ob noch Lebensraum vorhanden ist.
Zu trocken, schon der dritte Sommer.
Abendlicht streift die Hügelflanke.
Rostbraun-golden leuchten die abgestorbenen Fichten.
Bizarre Schönheit.
Und nun Corona und das Masken-Tragen.
Hochzeiten als Superspreader-Ereignisse.
Fußballspiele ohne Publikum.
Schüler und Lehrer mit Mund-Nasenschutz.
Die Reisewarnungen nehmen täglich zu.
Fast alle europäischen Nachbarländer sind inzwischen betroffen.
Und gestern sagte mir jemand:
"Corona ist auch eine Chance."
Ist dieser Mensch ein Seelsorger?
Viele von uns können jetzt gewissermaßen "Seelsorger" sein.
Indem sie Mut haben.
Und Mut machen.
Lebensmut.
In Gedanken, Worten und in ihrem Tun.
Durch Mitmenschlichkeit.
Und Liebe zur Natur.
Und durch Umdenken.
In diesen Corona-Zeiten.
Eine Art von Neubeginn.
Das macht Sinn.
Heiner van Sandt
Küchengedichte,
Windeck, 26.09.2020